Unterrichtsprojekt
"Kannst du nicht schauen?", fragen manchmal Erwachsene ihre Kinder, wenn sie sich ungeschickt verhalten. Unser Alltag wird in erster Linie von Sehwahrnehmungen bestimmt. Das ist uns so selbstverständlich, dass wir uns eine Welt ohne Licht, ohne optische Eindrücke gar nicht vorstellen können. Bereits Kleinkinder sind fasziniert vom Gegensatz Hell Dunkel und knipsen unermüdlich den Lichtschalter an und aus.
Im Lied von Lynkeus, dem Türmer, beschreibt Johann Wolfgang von Goethe den zentralen Stellenwert des Sehens für die Menschen. Die Bereicherung des Daseins aus der eigenen Vergangenheit hinein in die Zukunft.
Lied von Lynkeus
Zum Sehen geboren,
Zum Schauen bestellt,
Dem Turme geschworen,
Gefällt mir die Welt.
Ich blick' in die Ferne,
Ich seh' in der Näh'
Den Mond und die Sterne,
Den Wald und das Reh.
So seh' ich in allen
Die ewige Zier,
Und wie mir's gefallen,
Gefall' ich auch mir.
Ihr glücklichen Augen,
Was je ihr gesehn,
Es sei wie es wolle,
Es war doch so schön!
Johann Wolfgang von Goethe
Der Gedanke das Augenlicht zu verlieren ist für alle Menschen
bedrohlich.
Im Mittelalter herrschte die Vorstellung, dass die Menschen die
Gegenstände mit den Augen anstrahlen und damit erst sichtbar
machen. Erst später - in der Renaissance - ist erkannt worden,
welchen Gesetzmäßigkeiten Licht und Augen gehorchen.
Zielsetzung
Was ist Licht? Warum können wir sehen? Wie können wir sehen? Wie sieht die Welt blinder und sehbehinderter Menschen aus? Das Ziel dieser Materialien ist es, Interesse und Verständnis für diese Personengruppe zu wecken, Zusammenhänge zu erklären und ein ungezwungenes Miteinander zu fördern. Die Materialien sollen aufklären über die vielfältigen Formen von Sehbehinderung und Erblindung sowie sehenden Menschen Impulse geben für die Begegnung oder den täglichen Umgang mit blinden und sehbehinderten Mitmenschen.
Die Broschüre können Mitglieder des ÖBSV im Bundessekretariat und in den Landesgruppen anfordern.